Liebling, ich habe die Möbel geschrumpft, oder: früh übt sich, was ein guter Innenausstatter werden will……

Wohnst Du noch oder lebst Du schon?“ – wer kennt ihn nicht, diesen markigen Slogan einer bekannten Kette von Einrichtungshäusern, die ihren Ursprung zwar nicht in Deutschland hat, aber auch hierzulande ausgesprochen erfolgreich ist.

Wann immer ich ihn hörte, fühlte ich mich ein klein wenig veräppelt. Schon? Die meinen doch „noch“. Die können nur „noch“ meinen. Und wer je etwas Anspruchsvolleres (und Größeres) als eines der berühmten Regale gekauft, nach Hause transportiert UND mit Hilfe der tollen Pläne, die so gänzlich ohne Worte auskommen, und der kleinen 6-kant-Schlüssel zusammengebaut hat, weiß genau, warum ich das sage.

Nach einem guten Start (der in einem, na gut: zwei, der leckeren Hot Dogs im Eingangsbereich bestand) wurde es eher unschön: gefühlte 2 Stunden durch die Möbelausstellung. Bis man dann endlich in dem Bereich angekommen war, wo sich das Ziel der Begierde, ein bestimmter Kleiderschrank, befinden sollte.

Zwischendurch ein Abstecher nach unten, denn ausnahmsweise galt die Lautsprecherdurchsage „Die kleine Frieda (Name aus Gründen des Datenschutzes geändert) möchte aus dem Kinderparadies abgeholt werden“ keinem fremden Kind. Das Bällebad war zu voll und überhaupt wolle man jetzt Köttbullar essen. Kind Nummer 2 plärrte lauthals mit, obwohl es sich bis dato im Kinderparadies recht wohl gefühlt hatte….

Dass wir zu dem Zeitpunkt den Schrank natürlich noch nicht gefunden hatten und auch der Gang durch den Bereich mit den Kindermöbeln noch nicht absolviert war, trug nicht zwingend zu einem friedlichen Einkauf bei. Die grausamen Einzelheiten möchte ich Ihnen ersparen, auf jeden Fall war die Stärkung im Restaurant hernach bitter nötig.

Hätte ich allerdings geahnt, dass die Odyssee durch die Möbelausstellung noch nichts war im Vergleich zu dem, was noch kommen sollte, hätte ich ganz sicher die GROSSE Portion der kleinen Hackfleischkugeln gewählt. Der Schrank befand sich, wie das bei größeren Sachen so üblich ist, nämlich nicht in den großen Regalen vor dem Kassenbereich, nein, er musste an der Möbel-Ausgabe abgeholt werden. Das war nicht allzu schlimm, schlimm wurde es erst, als wir die Pakete in Empfang nahmen, ihr Volumen abschätzten und überlegten, wer von uns denn zu Fuß nach Hause gehen sollte, da es unmöglich anmutete, beides, Familie UND Schrank im Auto unterzubringen.

Dass es inzwischen angefangen hatte, in Strömen zu regnen, machte die Sache auch nicht einfacher. Haben Sie je bei strömendem Regen versucht, ein Schrank-Puzzle von der durchweichten Karton-Umhüllung zu befreien? Es war nicht schön, aber immerhin gelang es uns auf diese Weise, alle Teile im Auto unterzubringen. Sogar so, dass keiner draußen bleiben musste.

Ihres Schutzes durch den Karton beraubt, hatte eine der Schranktüren beim Transport zwar etwas gelitten, aber im Großen und Ganzen kam alles gut in der Garage an. Dass ausgerechnet eine der intakten Schranktüren beim Entladen des Autos einen Kratzer abbekam, dafür kann das Möbelhaus nichts. Auch dafür, dass wir 30 Minuten lang eine der Schrauben suchten, die beim Öffnen des Tütchens unter die Heizung gehüpft war, können wir niemanden verantwortlich machen. Für den Zusammenbau des Schranks jedoch MÜSSEN wir irgendwen zur Rechenschaft ziehen. Es kann nicht normal sein, dass sowas 6 Stunden dauert, oder?

Als unsere Tochter dann nach einem neuen Zimmer verlangte, aus Holz sollte es sein, und schön bunt, brach uns der Angstschweiß aus. Wollten wir wirklich noch einmal ein solches Erlebnis haben?

Vorsichtige Nachfragen ergaben dann, dass der eigentliche Wunsch darin bestand, mal wieder Köttbullar zu essen. Ein paar neue Möbel für das Puppenhaus seien auch ok. Da könne sie schon mal üben.

Wir waren daraufhin so erleichtert, dass wir das Haus gleich komplett neu eingerichtet haben, und zwar mit Holzmöbeln von goki. Unter den verschiedenen Serien haben wir die ausgesucht, die wirklich kunterbunt ist.

Die Möbel bestehen aus stabilem Buchenholz, haben niedliche Details wie klappbare WC-Deckel, Schubläden, die sich herausziehen lassen, und Schranktüren, die man öffnen kann. Uns gefiel natürlich am allerbesten, dass man sie nicht mehr zusammenschrauben musste. Und unserem Kind, dass einige davon doch tatsächlich so cool aussehen wie jene, die wir in der Möbelausstellung gesehen hatten, an jenem Tag, an dem wir den Schrank, na Sie wissen schon……

Erfreulicherweise kann sich unsere Tochter stundenlang mit ihren Biegepuppen und den Einrichtungsgegenständen beschäftigen. Sie stellt täglich wenigstens einmal die Möbel um, was selbst bei der Küche mit den Einzel-Modulen der Küchenzeile kein Problem ist, lässt die Puppen am gedeckten Frühstückstisch Platz nehmen, sie ausgedehnte Bäder nehmen und legt sie abends in ihre Betten. Sogar der Hausputz wird erledigt, denn das Zubehörset mit Bügelbrett und Staubsauger haben wir ihr auch geschenkt.

Bald allerdings werden wir anbauen müssen, denn vorgestern überraschte sie uns mit der frohen Botschaft, dass die Biegepuppenmutter schwanger sei und dass die Großeltern mit ins Haus ziehen, um ihr mit dem Baby zu helfen. Sie habe doch bald Geburtstag, ob wir ihr da nicht ein, zwei neue Zimmer schenken können? Ein Zimmer fürs Baby wäre toll, damit es die beiden Schulkinder nicht stört, und die Großeltern müssten ja schließlich auch irgendwo schlafen.

Eigentlich sehen die Biegepuppen-Oma und der dazugehörige Opa noch ausgesprochen rüstig aus, wir haben trotzdem überlegt, auch gleich noch einen Biegepuppen-Babysitter zu organisieren, für alle Fälle.

Bei der Einrichtung kam die Qual der Wahl, wie gut, dass wir nicht durch eine Möbelausstellung mussten, sondern die kleinen Möbel bequem am PC aussuchen konnten…..

Unsere Tochter weiß es noch nicht, aber wir haben den Biegepuppen-Großeltern zuliebe auch ein zweites Wohnzimmer bestellt, damit die alten Herrschaften nicht auf den niedrigen Hockern kauern müssen. Das und das Schlafzimmer für Oma und Opa allerdings aus einer der anderen goki-Serien, denn die modernen Möbel sind ja bekanntlich nicht jedermanns Geschmack.

Ich gebe es zu: die schicke Küche mit der Kochinsel will nicht so recht ins Bild passen. Der Esszimmertisch hat aber 6 Stühle, und tief im Innern habe ich mir schon immer genau eine solche Küche gewünscht. Mit einer Esstheke für den kleinen Snack zwischendurch. Köttbullar zum Beispiel.

Da ich mir aber fest vorgenommen habe, ein gewisses Einrichtungshaus nicht mehr zum Zweck des Möbelkaufs zu betreten, wird diese Küche wohl ein Traum bleiben, der aber wenigstens für die Biegepuppen meiner Tochter in Erfüllung gehen soll.

Sie haben es sicher schon erraten: ich liebe Möbel, sie sind meine Leidenschaft.

Ich stelle leidenschaftlich gern alles um, und noch lieber tausche ich gleich alles aus. Und es macht mich glücklich, dass meine Töchter, so wie es aussieht, meine Leidenschaft geerbt haben. Denn, ja, auch Kind Nummer zwei ist ein Mädchen. Ich freue mich darauf, dass es bald in das Alter für ein neues Zimmer kommt. Denn bereits jetzt zeichnet sich eine zweite Leidenschaft ab: die Liebe zu Pink.

Ich weiß schon, was wir dann unbedingt bestellen müssen.

Wie gesagt: ich liebe Möbel. Ich hasse es nur, sie vor Ort einkaufen zu müssen. Und vor allem hege ich eine starke Abneigung gegen kleine 6-kant-Schlüssel.


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